Kinder brauchen andere Kinder

Lange dachte man, dass kleine Kinder sowieso noch nicht soviel mitkriegen. Bevor sie mit etwa 3-4 Jahren Ereignisse zeitlich einordnen können, würden sie sich eh nicht erinnern. Diese Zeiten sind zum Glück vorbei und ich kenne sogar ein paar Menschen, die sich an Erlebnisse aus ihrer ganz frühen Kindheit erinnern können.

Mittlerweile ist man auch der Meinung, dass die Babys schon im Mutterleib sehr vieles mitbekommen und sogar kommunizieren. Ich habe es selbst erfahren dürfen. Als unser Grinsekater noch im Bauch war, hat er die Hand seines Papas verfolgt, wenn sie sich über den Bauch bewegt hat. Beide haben durch Bewegung miteinander kommuniziert.

Nach der Geburt haben Babys vielfältige Möglichkeiten sich auszudrücken und ihre Bedürfnisse anzuzeigen. Das Schreien ist oft nur eine Form, die zum Ausdruck kommt, wenn all die anderen Anzeichen nicht erhört wurden. Aber da will ich gar nicht tiefer einsteigen. Mir geht es vielmehr darum, wie erstaunlich es ist, dass der kleine Grinsekater mit seinen neun Monaten schon ganz genau große und kleine Menschen voneinander unterscheidet. Die großen sind spannend, die kann man angrinsen, aber die kleinen, die muss man ganz aufmerksam beobachten. Was die alles machen!

Da soll mir nochmal jemand erzählen, kleine Babys bräuchten noch keine anderen Babys, weil die eh noch nicht miteinander spielen könnten. Nein, „richtig“ (?) miteinander spielen sie nicht. Also sie werfen sich keine Bälle zu und bauen auch nicht gemeinsam ein Haus aus Bausteigen, das nicht. Aber sie beobachten sich gegenseitig. Und sie spielen dasselbe, sofern sie es können. Und sie klauen dem anderen das Spielzeug, weil das ja offenbar interessant sein muss. Sie krabbeln einander hinterher und stützen sich an denselben Stellen auf. Es ist spannend anzusehen, wieviel Krabbelkinder gemeinsam erleben.

Aber auch schon vor dem Krabbelalter gab es jede Menge Situationen, in denen der Grinsekater von anderen (meist größeren) Kindern etwas gelernt hat. Einmal hatten wir Besuch von einer Anderthalbjährigen und ihrer dreijährigen Schwester. Die tobten durch unser Wohnzimmer und der Grinsekater mittendrin. Total fasziniert hat er beobachtet und selbst als es ihm etwas zu wild und zu viel wurde, musste er noch von meinem Arm aus beobachten, was die beiden da spielten. Am nächsten Tag zeigte sich, dass er offenbar jede Menge neuer Ideen gesammelt hatte. Er war deutlich aktiver unterwegs, obwohl er zu dem Zeitpunkt noch nicht krabbeln konnte, und begann u.a. mit einer Hand nach etwas zu greifen, während er auf allen Vieren sitzt.

Ich weiß nicht, wo das Gerücht her kommt, dass Babys erstmal nur sich und ihre Mama brauchen und erst viel später mit anderen Kindern spielen. Vielleicht glaubt man das nur, so lange man keine eigenen Kinder hat? Dennoch finde ich es bemerkenswert, dass man noch zu Zeiten des Krieges dachte, dass die Kleinsten das eh alles nicht so genau mitkriegen. Was hat man nur früher mit seinen unter Dreijärigen gemacht, dass man zu dieser Aussage kam? Die kriegen nämlich ganz schön viel mit. Erst als die meisten Kriegskinder schon erwachsen waren, hat man (in Deutschland) darüber nachgedacht welchen Einfluss das Erlebte auf ihre Psyche und ihr Leben haben könnte. (Dazu gibt es spannende Lektüre von Sabine Bode.)

Der Grinsekater kriegt wirklich alles mit und er kommuniziert schon ganz schön viel. Mittlerweile nutzt er die Gebärde MILCH, wenn er Hunger hat und zum Trinken und Kuscheln an die Brust möchte. Er schaut zum CD Player, wenn ich sage, dass ich gleich Musik anmache und er freut sich, wenn die Katze vom Mobile vorbei kommt, weil ich ihm dann was zeige (nämlich die Gebärde KATZE). Wenn ich singe, entlocke ich ihm ein Lächeln und wenn die Tiere aus den Liedern auf ihm herum hopsen, gluckert ein Lachen aus ihm hervor.

Dennoch braucht er auch Kontakt zu anderen kleinen Menschen. Mit denen kann er sich identifizieren. Da kann er sich was abschauen, nachahmen und Kontakt aufnehmen. Das wird so oft unterschätzt, aber erst heute hatte der Grinsekater sehr viel Spaß gemeinsam mit einem anderen Krabbelkäfer. Die beiden krabbelten aufeinander zu und dann gemeinsam an das andere Ende des Raumes. Auch zurück kamen sie gemeinsam und der eine war immer in der Nähe des anderen. Es könnte ja sein, dass der andere etwas Spannendes entdeckt.

Antonia

Ich bin ich und du bist du. Und das soll so bleiben.

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