Alle Menschen sind gleich?

„Alle Menschen sind gleich.“ Habt ihr euch schon einmal über diesen Satz Gedanken gemacht? Oft zitiert, scheint es einerseits ein sehr fortschrittlicher Gedanke zu sein und eine moderne Besonderheit unserer Zeit. Andererseits erscheint mir der Satz in Zeiten von „Diversity Management“ und Vielfalt-Coaches doch sehr altbacken. Oft wird er seiner ursprünglichen Bedeutung entbunden und steht fast schon wie ein Werbeslogan für die Normalität im Raum.

Ich selbst will gar nicht so sein wie alle anderen. Ich bin lieber etwas besonderes. Als ich damals zum Studieren nach Berlin ging und manche Dinge einfach anders machte als alle anderen, fragte mich ein Freund ganz überrascht: „Macht man das bei euch im Westen so?“. Da wurde ich das erste Mal von dem immer noch existierenden Ost-West-Konflikt überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass es den noch gibt. Aber eine studentische Hilfskraft an einer Westberliner Hochschule verdient laut Tarif (!) tatsächlich mehr pro Stunde als die studentische Hilfskraft an einer Ostberliner Hochschule. Und das innerhalb der selben Stadt und obwohl beide im selben Fachbereich arbeiten und zusammen im Studentenwohnheim wohnen. Wo ist denn da nun die „Gleichheit“?

Der Zusatz „vor dem Gesetz“ (GG, Art.3, (1)) oder „vor Gott“ (Römer 2, 11) ist doch ein wesentlicher Bestandteil der Aussage „Alle Menschen sind gleich“. Denn, seien wir mal ehrlich, kein Mensch gleicht dem anderen. Okay, wir haben Gemeinsamkeiten, gleiche Vorlieben und gleiche Abneigungen und manchmal auch die gleiche Kleidung an. Trotzdem ist es doch etwas sehr besonderes, wenn man einem Menschen begegnet, der einem wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Oder versuch doch einmal dich mit der Person neben dir zu vergleichen. Was ist gleich? Ich glaube, es ist viel einfacher all die kleinen Unterschiede zu finden.

Diese Unterschiede sind meiner Meinung nach sehr wichtig, denn wie sollen wir uns denn sonst gegenseitig ergänzen? Niemand ist perfekt, aber zusammen können wir dem Ideal doch schon sehr nahe kommen.

Ich bin daher auch ein Fan von gemischten Arbeitsteams. Mit gemischt meine ich nicht die Mischung zwischen Männlein und Weiblein, wobei die auch wichtig ist. Ich meine vor allem eine Mischung der Berufe. Eine Gruppe mit Menschen, die verschiedenen Berufen haben, hat einen viel größeren Zugriff auf Ansätze und Lösungsideen als eine homogene Gruppe. Den Ansatz gibt es schon in größeren amerikanischen IT-Firmen, soweit ich weiß. Einen Namen kenne ich dafür nicht, aber ich freue mich, wenn ich in ferner Zukunft mal Teil eines solchen Arbeitsteams sein kann.

 

Antonia

Ich bin ich und du bist du. Und das soll so bleiben.

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