Ein Kurs in „Baby-Sein“

Neulich erst erzählte ich einer Freundin, dass der Grinsekater und ich bald an einem Babysign-Kurs teilnehmen werden. Durch mein Studium und den Beruf als Gebärdensprachdolmetscherin bedarf es da für mich eigentlich keiner weiteren Erklärung. Doch dann wurde ich gefragt, ob wir uns dort auf den Boden legen und strampeln oder wie man sich das vorstellen könne. Es dauerte einen Moment, bis ich verstand, dass sie statt des englischen Worts Babysign einfach „Baby-Sein“ verstanden hatte. Hihi, die Vorstellung, dass es solche Kurse geben könnte, ist köstlich. „Und heute legen wir uns alle mal auf den Rücken und strampeln kräftig mit den Beinen, während wir fasziniert unsere Hände anstarren als hätten wir sie noch nie gesehen!“ Am Ende des Kurses gibt es dann ein Zertifikat, dass einen ermächtigt danach den Kleinkind-Sein-Kurs zu besuchen. Und besonders viel Spaß soll übrigens der Teenager-Sein-Crashkurs machen.

Dieses Gespräch nahm ich jedenfalls zum Anlass, mal über den Begriff Babysign nachzudenken und über eine sinnvolle deutsche Übersetzung dafür. Babyzeichen? Da es sich ja um Gebärden handelt, wäre vielleicht Babygebärden besser? Babygebärdensprache passt wiederrum nicht, denn es ist ja „nur“ eine visuelle Unterstützung der Lautsprache und keine eigenständige Sprache. Zumindest, wenn wir hier von hörenden Babys sprechen. Aber nochmal von vorne: Mit Babysign meine ich, dass man mit kleinen Babys Gebärden benutzt. Kleine Handzeichen für wichtige und oft benutzte Worte. Babys können nämlich schon bevor sich ihre Sprechorgane richtig ausgebildet haben, sehr gut kommunizieren. Wenn ihr eigene Kinder habt, wisst ihr sicher, dass es schon sehr früh unterschiedliche Töne gibt, je nachdem ob das Baby gerade Hunger oder Bauchweh hat. Durch diese Gebärden gibt man den Kleinen eine Möglichkeit in die Hand (im wahrsten Sinne des Wortes), genauer auszudrücken, worum es ihnen gerade geht und das weit bevor sie es aussprechen können. Das erleichtert so mancher Mami den Alltag.

Meines Wissens nach kommt Babysign aus den USA, wo man zunächst spezielle Babygebärden nutzte und später dann auf Gebärden aus der ASL (American Sign Language) umstieg. Für mich ist Babysign daher der Begriff, den ich dafür kenne. Aber es wäre ja auch schön einen hübschen deutschen Begriff dafür zu finden.* Eine kleine Recherche ergab, dass folgende Begriffe (oder Namen) dafür im Umlauf sind: Babygebärden, Babyzeichen, Babyhandzeichen, Kindergebärden, Babyzeichensprache. Auch wenn das Wort „Zeichen“ wohl die wortwörtlichste Übersetzung von „Sign“ darstellt, finde ich persönlich, dass der Begriff Babygebärden doch am Besten passt. Um zukünftige Missverständnisse zu vermeiden, werde ich mir den wohl angewöhnen.

Den Kurs machen der Grinsekater und ich übrigens bei BabySignal und sowohl hier als auch auf dem Blog von BabySignal werde ich berichten, wie sich die Kommunikation zwischen uns entwickelt. Schon jetzt hat der Grinsekater entdeckt, dass er eine Antwort bekommt, wenn er quietscht und brabbelt. Unterhalten kann er sich schon mal und sich bewegende Hände beobachtet er fasziniert. Ich bin gespannt wie das zusammen klappt. Wir freuen uns auf den Kurs, der diese Woche beginnt.

*Im Bereich rund um Gebärden und Gebärdensprache ist die deutsche Sprache (noch) nicht sehr vielfältig. Ich schreibe ja gerade an einem Kinderbuch, in dem gebärdende Menschen vorkommen und ihr seht selbst, dass sich das etwas hölzern liest.

Antonia

Ich bin ich und du bist du. Und das soll so bleiben.

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1 Response

  1. Hallo,
    bei Wikipedia wurde vor vielen Jahren über das Lemma diskutiert. Wie soll Baby Signing nun auf Deutsch genannt werden. Ich habe darauf hin den Deutschen Gehörlosenbund angeschrieben und gefragt, was diese empfehlen: Babygebärden 🙂

    Ich bevorzuge mittlerweile den Begriff Kindergebärden, denn ein Kind ist nur bis zum 1. Geburtstag ein Baby. Aber der Spaß mit Gebärden fängt dann erst richtig an.

    Link zur Wikipedia-Diskussion: https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:L%C3%B6schkandidaten/18._September_2009#Babyzeichen

    Viel Freude wünscht
    Birgit

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