Mama sein – was junge Muttis brauchen.

Diesen Artikel wollte ich schon viel früher schreiben – eigentlich schon während der Schwangerschaft, als ich angefangen habe die ersten Bücher zum Thema Baby zu lesen. Davon gibt es nämlich eine ganze Menge und es ist wirklich nicht einfach die richtige Lektüre zu finden. Es ist mir aber sehr schnell eine spezielle Eigenschaft all dieser Ratgeber und Fachbücher aufgefallen: es gibt nur schwarz und weiß. Fast alle Bücher sprechen von dem einen (beschriebenen) Weg als dem einzig wahren und verteufeln dabei die Alternativen. Stillen oder Fläschchen. Windeln oder Windelfrei. Familienbett oder eigenes Zimmer. Baby led weaning oder B(r)eikost nach Ablaufplan. Die Liste lässt sich noch erweitern.

Offenbar reicht es den Autoren und Autorinnen nicht, einfach nur gute Argumente für den eigenen Weg zu benennen. Nein, es muss auch gleichzeitig dazu gesagt werden, wieso die Alternative dazu absolut ungeeignet ist. Stillen zum Beispiel ist total super und fördert die Gesundheit des Kindes. Und es gibt Trost. Flaschenkinder sind ganz anders und durch sie gibt es auch viel mehr Krieg auf der Welt. Oder Windeln, die lassen das Baby emotional und physisch abstumpfen. Die fühlen ja gar nicht mehr, dass sie mal müssen und müssen das dann später erst wieder lernen. Das ist doch dem Kind gegenüber total unfair und behindert seine Entwicklung als selbstbestimmter Mensch. Das sind nur ein paar (gar nicht so) überspitzte Beispiele. Nach der ersten Lektüre hat man dann das Gefühl, dass man eine furchtbar schlechte Mama ist, wenn man sich für den falschen Weg entscheidet und im nächsten Buch wird genau diese Methode angepriesen.

Mich hat das doch sehr genervt und am Anfang auch verunsichert. Gerade beim Thema Beikost bin ich auch jetzt noch unsicher. Nicht weil ich nicht weiß, wie ich das angehen möchte – das möchte ich tatsächlich gerne einfach dem Grinsekater überlassen (BLW). Ich denke vielmehr darüber nach, wie das Umfeld reagieren wird und ob ich mich dem genug entgegen stellen kann. Denn schon in den ersten Monaten (Wochen) gab es ungefragte Ratschläge. Wir waren gerade noch dabei uns kennen zu lernen, rauszufinden wie wir alle am Besten schlafen können und vor allem das Stillen zu lernen. Da hieß es schon, ich solle doch ein bisschen mehr loslassen und mich nicht so abhängig machen. Verunsichert hat mich das nicht, aber ich habe mich geärgert, dass ich mich gleich zu Beginn meines Mama-Seins schon „wehren“ und meinen Weg „verteidigen“ sollte.

Gerade zu der Zeit war das Stillen auch noch furchtbar. Es klappte nur mit Stillhütchen, tat irre weh und war jedes Mal eine Sauerei, weil viel Milch daneben lief. Ich dachte sogar darüber nach, ob Fläschchen sterilisieren nicht das kleinere Übel wäre. Aber ich wollte stillen. Also rief ich eine Stillberaterin an. Sie machte mir nicht nur Mut, es weiter zu probieren und nicht aufzugeben, nein, sie tat etwas ganz banales aber für mich sehr wichtiges: Nachdem sie gefragt hat, wie wir das alles momentan machen, sagte sie mir, dass ich das alles gut so mache! Der Kleine trank regelmäßig, hatte volle Windeln, schlief gut und nahm genug zu. Also war doch alles in Ordnung – so soll es sein.

Es ist mir erst ein paar Tage später aufgefallen, dass es genau das war, was ich gebraucht hatte. „Sie machen das alles prima so.“ Klar, ein paar Tipps und Kniffe hat sie mir auch verraten, aber in erster Linie war es ihre Bestätigung, die mir Ruhe gegeben hat. Ein paar Wochen später waren dann nämlich die Stillhütchen überflüssig und das Stillen ist jetzt wirklich etwas schönes für uns.

Ich möchte mich nicht verteidigen und rechtfertigen müssen, dass mein Kind immer noch nichts „richtiges“ isst oder erklären, wieso ich denn immer noch stille(n müsse). Nein, ich würde viel lieber erzählen wie das bei uns alles so funktioniert. Und ich wünsche mir einfach Bestätigung (von erfahrenen Mamas), dass ich das alles gut und richtig so mache. Denn das ist es, was mir hilft mein Vertrauen zu mir selbst aufrecht zu halten. Und meiner Meinung nach ist es genau das, was junge Muttis brauchen! Zweifel hat man nämlich schon genug, wenn man sich plötzlich um so ein kleines Baby kümmert.

Antonia

Ich bin ich und du bist du. Und das soll so bleiben.

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1 Response

  1. Ingrid sagt:

    Du sprichst mir aus der Seele👍

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