Ich als Freundin des Mitbewohners meines Mitbewohners oder wie die Gans zu uns kam.

Als Freundin des Mitbewohners werde ich von meinem neuen Mitbewohner bezeichnet, da ich ja noch nicht lange hier wohne. Scheinbar erfordert es einen etwas längeren Prozess, um zur als eigenständige Mitbewohnerin anerkannt zu werden. Wenn man mal mein verlängertes Wochenende im Norden abzieht, ist das ja auch jetzt erst meine erste vollständige Woche in der „Kommune“.

Dennoch kann ich euch schon die Geschichte von der leckeren Gans erzählen. Diese Gans flatterte uns gestern Abend in Haus gemeinsam mit der besseren Hälfte meines werten Mitbewohners. Der hohe Fettgehalt des Vogels sowie die Diätallüren des Hausherren führten erstmal zu einer Diskussion, bei der die beiden Parteien ihren Unmut gegenüber des Verzehrs des Vogels offen aussprachen. Ich beobachtete den Disput amüsiert.

Es wurde nun darüber verhandelt den Kalorienwert des Essens zu senken, indem man die ursprüngliche Nudelbeilage in Reis verwandelte. Als schließlich auch das geklärt war, mussten noch die unterschiedlichen Zubereitungstechniken miteinander synchronisiert werden, wobei es bemerkenswerterweise lediglich um das Aufwärmen des bereits vorgekochten Vogels ging(!).

Doch schließlich saß man bei Tisch. Gegen Ende des Mahls wurde auch ich dazu eingeladen ein Stück zu kosten. Beim fröhlichen Zusammensitzen kam plötzlich die Frage auf woher die Gans denn nun komme.

Gemeinsam wurde überlegt: „Also eigentlich kommt sie aus Spandau.“ Dort wohnt die Mutter der Lieferantin. Allerdings habe das ja ihr Bruder organisiert, denn dessen Freundin habe einen Vater mit einem Hotel. Das Hotel liegt nördlich von Berlin. Dort wurde die Gans also zubereitet. „Gejagt werden musste sie ja auch noch.“ Aha. Ein weiterer Hinweis.

Ich kombiniere: Irgendwo in Brandenburg lebte einst eine glückliche Gans. Diese landete eines Tages in der Küche eines Hotels im Norden Berlins. Fertig zubereitet fand sie den Weg nach Spandau, wo sie bzw. Teile von ihr erneut in eine Dose verpackt wurden, in der sie quer durch Berlin getragen wurden und an eben jenem Abend in unseren Mägen verschwanden. Lecker.

Die pragmatische Zusammenfassung des Herren der Runde war: „Also du als Freundin meines Mitbewohners isst gerade die Gans, die von dem Vater der Freundin des Bruders meiner Freundin gekocht wurde.“ Gut. Wie diese Gans hier her kam wissen wir jetzt. Doch woher kommen all die anderen Gänse und ganz besonders diese extrem großen Viecher, die einem zu Weihnachten so gut schmecken? Und wann steigt man eigentlich von der Freundin des Mitbewohners zur Mitbewohnerin auf?

Antonia

Ich bin ich und du bist du. Und das soll so bleiben.

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